Die Aids-Hilfe Schweiz sagt am 1. Juni „Nein zum Kassendiktat“

Zürich, 29. April 2008. Die Aids-Hilfe Schweiz lehnt die Vorlage "Für Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Krankenversicherung" ab, über die am 1. Juni abgestimmt wird. Die Aids-Hilfe Schweiz ist überzeugt, dass die Annahme dieser Vorlage schädliche Auswirkungen auf das Gesundheitssystem hätte, insbesondere aber auf Menschen mit HIV.

Die geplante Einführung der Vertragsfreiheit der Krankenversicherer gegenüber ambulanten und/oder stationären Leistungserbringern, würde unweigerlich zu einer Beschränkung der freien Arzt- und Spitalwahl für Patienten und Patientinnen führen. Die Krankenkassen könnten fortan eigenmächtig bestimmen, mit welchen Ärzten sie zusammen arbeiten möchten und mit welchen nicht. Gerade die „teuren“ Ärzte und Ärztinnen, die Patienten mit chronischen Erkrankungen behandeln, stünden damit unter massiven Druck, Kosten einzusparen. Der Zugang von HIV-positiven Menschen zu einer qualitativ hoch stehenden medizinischen Versorgung könnte daher nur noch über Zusatzversicherungen gewährleistet werden, wobei diese wegen ihrer „schlechten Risiken“ ausgeschlossen werden, resp. keine neuen Zusatzversicherungen abschliessen können.

Geben die Krankenversicherer zukünftig vor, zu welchem Arzt oder Ärztin ihre Versicherten gehen müssen, ist damit eine schlechte Voraussetzung für die vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung gegeben, da Patienten nicht mehr selber ihren Arzt bestimmen dürften. Das könnte wiederum zu negativen Auswirkungen auf die Therapietreue führen, die gerade in der HIV-Behandlung wegen möglicher Resistenzen äusserst wichtig ist.

Die Aufweichung des Kassen-Obligatoriums führt dazu, dass sich Menschen mit HIV, die aufgrund ihrer Erkrankung und/oder aufgrund ihrer erfahrenen Diskriminierung sozial schwächer gestellt sind, beim Wegfall des Obligatoriums keine qualitativ hoch stehende medizinische Behandlung mehr leisten könnten. Mit der Vorlage wird ein Grundpfeiler der Solidarität im Schweizer Gesundheitssystem angegriffen, der bisher zwischen Gesunden und Kranken, Jungen und Alten gegolten hatte.

Deshalb empfiehlt die Aids-Hilfe Schweiz die Vorlage "Für Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Krankenversicherung" zur Ablehnung.

Über die Aids-Hilfe Schweiz
Die Aids-Hilfe Schweiz (AHS) ist der Dachverband der 21 kantonalen und regionalen Aids-Hilfen sowie weiterer 36 im HIV/Aids-Bereich tätigen oder engagierten Organisationen.
Sie plant, koordiniert und realisiert Präventionsprojekte in den Bereichen HIV/Aids und weiterer sexuell übertragbarer Krankheiten (STI), besonders für Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Risiko. Die Förderung einer selbstbestimmten, respektvollen Sexualität sowie rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, welche die sexuelle Gesundheit begünstigen, sind ihr ein Anliegen.  
Sie engagiert sich für Menschen mit HIV/Aids, ihre Bedürfnisse, Rechte und Gleichstellung in der Gesellschaft. Weitere Informationen: www.aids.ch