Sind die Eltern schuld, wenn der Sohn auf Männer steht?

So, nun ist es endlich klar, dass Väter und Mütter nicht schuld sind…

Aus der SonntagsZeitung vom 25.1.2009, Seite 62, „Prof. Kleinstein“:

PROF. KLEINSTEIN
Kann von den Eltern jemand schuld sein, wenn der Sohn mehr auf Männer steht als auf Frauen?

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Eigentlich eine ungebührliche Frage! Bei der sexuellen Orientierung von Schuld zu sprechen, findet Kleinstein unpassend. Niemand und nichts ist «schuld» daran, wenn ein Sohn schwul oder eine Tochter lesbisch ist. Vielmehr tragen viele verschie­dene Faktoren – genetische, hormonelle und Umwelteinflüsse – zur sexuellen Orientierung bei.
Das weiss man heute. Was dabei wie wichtig ist, darüber streiten Kleinsteins Kollegen allerdings noch.

Das stärkste Argument dafür, dass die Biologie bei der sexuellen Orientierung eine Rolle spielt, liefern Schafe. Etwa jedes zehnte männliche Schaf steht nicht auf Weibchen, sondern auf seines­gleichen. Forscher haben im Gehirn der schwulen Böcke einen kleinen Unterschied gefunden: Eine bestimmte Region im Hypothalamus ist bei ihnen deutlich kleiner als bei Hetero-Rammlern. Prak­tisch den gleichen Unterschied haben Forscher üb­rigens auch im Gehirn schwuler Männer gefunden.

Zudem gibt es Hinweise, dass Homosexualität in gewissen Familien gehäuft vorkommt. Durch­schnittlich sind etwa drei bis fünf Prozent aller Män­ner schwul; die Wahrscheinlichkeit, dass der Bruder eines Schwulen ebenfalls schwul ist, ist gemäss einer Studie indes viermal grösser. Ob allerdings ein eigentliches Schwulen-Gen existiert, ist weder abschliessend bewiesen noch widerlegt. Dafür gibt es gute Hinweise darauf, dass auch das hormonelle Umfeld im Mutterleib für die sexuelle Prägung mitentscheidend ist. Und etwas ist sowieso klar: Homosexualität ist bestimmt keine «Krankheit», wie kirchlich-konservative Kreise gerne kolportieren.

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SonntagsZeitung, Kleinstein, Postfach, 8021 Zürich oder